Interview mit Moritz Krebs - „Die Angehörigen werden oft vergessen“
Moritz Krebs, Sohn des an Lungenkrebs verstorbenen Schauspielers Diether Krebs, berichtet über seine Erfahrungen mit der Erkrankung und was ihn und seine Familie während dieser Zeit bewegt hat. |
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Wie haben Sie von der Erkrankung Ihres Vaters erfahren?
Moritz Krebs: Das war eher zufällig. Mein Vater war aufgrund einer Bypassoperation zur Nachuntersuchung im Krankenhaus. Dabei wurde ein Schatten auf der Lunge festgestellt. Dies war ein großer Schock für die ganze Familie. Ich war damals erst 20 Jahre alt und hatte mich bis dahin noch nie mit dem Thema beschäftigt. Außerdem dachte ich, dass nur ältere Menschen Krebs bekommen und mein Vater war ja erst 52.
Wie sind Sie mit der Diagnose umgegangen?
Moritz Krebs: Mir hat es sehr geholfen, dass mein Vater sich von der Diagnose nicht unterkriegen ließ. Dadurch dass er immer seine Fassung bewahrt hat, hat er mir sozusagen die Angst genommen. So fiel es mir leichter, die Situation anzunehmen. Für ihn war es in diesem Moment einfach am wichtigsten, dass wir an seiner Seite waren und ihn unterstützt haben.
Welche Auswirkungen hatte die Erkrankung auf den Alltag?
Moritz Krebs: Insgesamt hat mein Vater versucht, ganz „normal“ weiterzuleben. Er hat noch während der Chemotherapie an seinem letzten Kinofilm gearbeitet und hat bis drei Tage vor seinem Tod auf der Bühne gestanden. Damit wollte er sich seinen letzten Wunsch eines eigenen Bühnenprogramms erfüllen. Aber natürlich haben wir auch über die Erkrankung gesprochen und auch das Thema Tod tauchte immer mal wieder auf. Glücklicherweise hatten wir immer schon ein enges Verhältnis zueinander und konnten offen über unsere Ängste sprechen. Letztendlich hat uns die Krankheit noch enger zusammengeschweißt.
Welche Bedeutung hat die Erkrankung für die Angehörigen?
Moritz Krebs: Das ist ein wichtiges Thema! Natürlich versucht man, sich untereinander so gut es geht zu unterstützen. Meine Erfahrung hat aber auch gezeigt, dass es wichtig ist, sich gegenseitig mal zu entlasten und sich Freiräume zu schaffen. Denn auch die eigenen Kräfte werden stark strapaziert. Auch als Angehöriger sollten man auf seine eigenen Bedürfnisse achten – und sich Zeit nehmen mal in sich „reinzuhören“. Wenn die Last zu groß wird, sollte man sich nicht davor scheuen, auch als Angehöriger gegebenenfalls Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Was können die Betroffenen bzw. die Angehörigen tun? Wo bekommt man Hilfe in dieser schwierigen Zeit?
Moritz Krebs: Sicherlich hilft es, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Hilfreich sind hier Selbsthilfegruppen. Dort kann man mit anderen Menschen, die ähnliches erleben, in Kontakt treten. Man kann von den Erfahrungen anderer profitieren und sich über Probleme austauschen. Ich habe in dieser Zeit nach Anlaufstellen gesucht, vor allem für Angehörige wie mich. Aber da gibt es nicht viele. Natürlich stehen die Erkrankten im Vordergrund, aber ich finde, auch auf die Angehörigen sollte stärker eingegangen werden.
Was raten Sie anderen Betroffenen bzw. Angehörigen?
Moritz Krebs: Als Angehöriger sollte man versuchen, so normal wie möglich mit dem Erkrankten umzugehen, und das Leben nicht rapide umstellen. Was ich vor allem bei Lungenkrebs sehr schlimm finde ist das Vorurteil: Wer an Lungenkrebs erkrankt ist, ist selbst Schuld. Schuldzuweisungen haben bei so einem Schicksalsschlag einfach nichts zu suchen.








